Lucky, mein Kurzzeit-Pflegehund

Erfolgreich vermittelt

Diese Woche habe ich Lucky, der bei uns das letzte Monat in Pflege verbracht hat, an seine neuen Besitzer übergeben. Luckys Geschichte zeigt, wie schnell falsch verstandene Kommunikation, unqualifizierte Tipps und gut gemeinte Ratschläge in ein Problem ausarten, das andernfalls vermutlich nie entstanden wäre.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass Lucky bei uns zur Pflege aufgenommen wurde? Was bedeutet es für mich, einen Hund zur Pflege in unsere Familie zu integrieren?

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Wie Lucky zu uns kam

Luckys Besitzerin hatte einen Hilferuf in sozialen Medien gestartet, da der Hund nicht folgt, nicht alleine sein kann und alles kaputt macht. Zudem war auch spazieren gehen schwierig (Leine ziehen) und auch sonst war Lucky unkooperativ. Die Lösung im Internet: Dem Hund ist langweilig, der benötigt mehr Auslastung. Schließlich sei Lucky ja eine Arbeitsrasse und gehöre dementsprechend gefordert.

Doch auch nach mehreren Stunden Auslastung wurde es nicht besser, trotzdem kamen immer wieder die gleichen Tipps. Als ich den Hilferuf gelesen habe, war mir klar, es liegt vermutlich nicht an der Auslastung, aber ich schaue mir das mal an. Gesagt, getan, ich war bei ihm zuhause und habe schnell festgestellt: Lucky hat nie gelernt, sich zu entspannen. Zudem hat ihm eine klare Führung gefehlt, sodass er selbst angefangen hat, die Führung zu übernehmen, was ihn jedoch völlig überforderte.

Ich habe also Tipps gegeben, was funktionieren könnte, dies wurde von der Besitzerin auch versucht und hätte auch grundsätzlich geklappt, sie fühlte sich jedoch, auch Aufgrund der aktuellen Lebenssituation, überfordert. Daher habe ich angeboten, Lucky bei uns zur Pflege aufzunehmen, um ihm die nötige Ruhe vermitteln zu können.

 
 
Lucky anfangs
Luckys erster Tag bei uns

Die Anfänge

Lucky wurde also von seiner Besitzerin zu uns gebracht, das erste Kennenlernen fand in unserem Garten statt und man hat schnell bemerkt: Lucky ist gestresst und versucht dominant zu agieren und sein Territorium einzunehmen. Das erste Zusammentreffen mit meinen Hunden war zwar freudig, man merkte aber deutliche Defizite im Spielverhalten. Lucky hatte gelernt, für seine Rasse unüblich, beim Spielen auf die Ohren zu gehen, zudem lies er sich nicht gut aus dem Spiel abrufen. Nach dem Spielen war er zudem noch lange aufgekratzt und nervös.

Lucky hatte zudem eine leichte Fehlstellung bei der Hinterhand entwickelt (quasi leichte X-Beine), was vor allem vom starken Zugverhalten an der Leine kam. Auch ein leichtes Übergewicht war vorhanden, nicht tragisch, aber typisch für einen Hund, der vor allem über Futter beruhigt wurde.

Nach dem mit der Besitzerin alles geregelt und Lucky offiziell bei uns war, begann ich zuerst mit Ruheübungen, er wurde an die Hausleine genommen und in unseren Alltag integriert.

Das bedeutete: Kurze Spaziergänge an der Leine, um die Leinenführung zu trainieren, gezieltes Spielen für maximal 10-15 Minuten im Garten und vor allem viel, sehr viel Ruhe.

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Lucky am Hundeplatz

Die Veränderung

Bereits nach 2 Tagen war die erste Veränderung da. Schneller als erwartet hat sich Lucky an sein neues Leben angepasst. Fixe Routinen, Struktur und klare Führung waren das, was er dringend benötigt hatte. Innerhalb kurzer Zeit merkte man nichts von dem vorher problematischen Verhalten. Er zerstörte bei uns nichts, das Ziehen an der Leine, auch wenn er mit meinem Sohn oder meinem Mann unterwegs war, war kaum mehr vorhanden und Ruhe an der Hausleine war nach ein paar Tagen auch möglich.

Natürlich war nicht gleich alles perfekt, dennoch hat die Veränderung viel schneller stattgefunden als ich es erwartet hatte. Viele andere Dinge habe ich ebenfalls mit Lucky geübt. Beginnend mit Maulkorbtraining, Medical Training, Zähneputzen, Bürsten und Krallenschneiden wurde das ganze Pflegeprogramm durchgezogen. Hier merkte man Anfangs – gefällt ihm nicht, er hat sich jedoch auch hier schnell daran gewöhnt und beim Bürsten schlief er nach ein paar Tagen sogar ein.

In Rücksprache mit seiner Besitzerin wurde dann begonnen, nach einem fixen Platz für ihn zu suchen. Ich hätte ihn gerne behalten, aber dies wäre unseren anderen Hunden, vor allem dem ebenfalls jungen Brent, nicht fair gegenüber gewesen. Irgendwer wäre immer zu kurz gekommen. Daher fand, neben dem laufenden Training, auch die Suche nach dem perfekten Platz für ihn statt.

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Mein Sohn beim Spazieren mit Lucky

Das Ende der Pflegezeit

Luckys Veränderung ging laufend weiter. Er lernte sowohl von uns, als auch von unseren Hunden viel dazu, nach einer Futterumstellung nahm er auch etwas ab.

Er durfte bei mir in der Hundeschule auch seine ersten Schnuppereinheiten in Rally Obedience und Agility kennenlernen.

Im Haus durfte er sich bald frei bewegen und er hat schnell seine eigenen Rückzugsplätze für sich gefunden, es wurde viel mit unseren Hunden gekuschelt, hin und wieder waren noch Korrekturen nötig (insbesondere, wenn die zwei Junghunde nicht mit dem Spielen aufhören wollten) aber im Großen und Ganzen fühlte es sich an, als wäre Lucky schon immer ein Teil unserer Familie gewesen. Nach Sichtung vieler Bewerbungen habe ich dann die aus meiner Sicht passendsten Interessenten zum Kennenlernen eingeladen. Von den 3 Terminen hat einer dann leider garnicht gepasst, die anderen beiden hätten aus meiner Sicht beide gut passen können, bei den letzten war ich mir aber sicher, das ist es.

Nach dem OK von der Besitzerin ging es dann schnell, innerhalb von 2 Tagen war alles erledigt, die Bürokratie aufgesetzt und Lucky wurde von seinen jetzt neuen Besitzern abgeholt. Obwohl er nur so kurz bei uns war, werden sowohl ich als auch meine Familie ihn sehr vermissen.

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Luckys Verabschiedung

Mein Fazit

Lucky als Pflegehund bei uns zu haben war schön, aber auch sehr herausfordernd. Lucky hat sich zwar als deutlich unproblematischer herausgestellt als anfangs gefürchtet, einen Pflegehund neben einem weitern pubertierenden Junghund mitzubetreuen ist aber oft grenzwertig. Zum Glück ist zieht unsere Familie da an einem Strang, daher war das schwerste für uns die Verabschiedung von Lucky, auch wenn wir wissen, dass sein neuer Platz besser zu ihm passt als er jetzt in unser Leben gepasst hätte.

Ob es wieder einen Pflegehund geben wird, weiß ich noch nicht, vermutlich schon, aber zuerst soll Brent wieder ein wenig Exklusivzeit bekommen, zudem stehen jetzt die WM-Vorbereitungen mit Larissa und Khaleesi und einige Fortbildungen an. 

Lucky in Tirol
Lucky in Tirol

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